Namenstage gibt es nicht nur in Deutschland – ebenso sind sie innerhalb eines jahrhundertelangen Kontextes nach und nach festgelegt worden. Der Tag des Namens (nämlich des Geburts-, meistens jedoch des Sterbedatums) einer historischen oder künstlerisch bedeutsamen Persönlichkeit wird in allen Kulturen gefeiert – für den europäischen Raum handelt es sich jedoch vorwiegend um christliche Heilige. Entweder sind dies Märtyrer ihres Glaubens oder sie werden mit anderen (Schutz-)Eigenschaften assoziiert. Getaufte Neugeborene werden von ihren Eltern nun mit diesen Namen versehen – insbesondere in Süddeutschland werden die Namenstage der Getauften höher gewertet und festlicher begangen als Geburtstage. Doch welche historische Entwicklung lässt sich überhaupt – wenn auch nur skizzenhaft an dieser Stelle – grundlegend erkennen?
Im 7. bzw. 8. Jahrhundert wurden – so weiß man – im Bereich des heutigen Deutschland christliche Namen aus der Bibel angewandt, was sich im weiteren Mittelalter fortsetzte. Doch insbesondere seit den ersten Klostergründungen fanden auch Heiligennamen in den allgemeinen Volksgebrauch Eingang: Benedikt, Elisabeth, Hildegard, Antonius, Franz(iskus), Andreas. Konkret formuliert wurden dahingehende Empfehlungen auch schriftlich – nach der Erfindung des Buchdrucks. So wurde erstmals im Jahre 1566 der Catechismus Romanus herausgegeben; das Rituale Romanum erschien entsprechend 1614. In beiden Werken katalogisierte man christliche Namen generell als Taufempfehlungen – Beispiele sind über Maria, Josef, Martha hinaus auch Vincenz, Xaver, Ignaz, Paul(us), Johannes etc. Auch bei männlichen Personen wählte man “Maria” bereits in dieser Zeit als zweiten Vornamen – dies ist auch in der Gegenwart noch zuweilen erhalten. In all diesen Fällen gibt es klar festgelegte Namenstage: Über den Geburts- und Todestag hinaus, wird oft auch das Datum der päpstlichen Selig- oder Heiligsprechung gefeiert. Es ist dies zumeist genau der Tag, der im liturgischen Kalender der römisch-katholischen (oder auch orthodox-christlichen) Kirche als Heiligengedenktag oder Hochfest im Ritual des Gottesdienstes auch seine konkrete Erwähnung findet. Namen aus christlichem Hintergrund gibt es bis heute – nur diese haben auch tatsächlich Namenstage. Im Einzelfall gilt es hier anhand von besonderen Heiligenkalendern abzugleichen, dass es auch Namen anderer kultureller Herkunft gibt, die dann jedoch in den christlichen Heiligenkanon integriert wurden (Beispiel: Hl. Ludwig). Es kann nahezu an jedem Tag des Jahres in den (auch unterschiedlich, weil regional und national individuell geprägten) christlichen Heiligenkalendern ein solcher Gedenktag festgelegt sein. Im 20. Jahrhundert jedoch liegt aufgrund der kulturellen Globalisierung nicht mehr der Schwerpunkt auf christlichen Namen. Anglo-amerikanische, germanische, griechische, lateinische, skandinavische, slawische, französische, romanische, südeuropäische Namen und mehr sind auch ohne Namenstag nebeneinander existent – auch wird die Idee des Taufpaten oder der Erbfolge eines Namens nur noch vereinzelt verfolgt.
Im Folgenden nun sollen willkürlich in Ergänzung zu den obigen Erörterungen einige Namen aufgezählt werden, die direkt der Bibel entstammen und auch gegenwärtig Verwendung finden (teilweise auch “zeitlos”, nämlich bereits seit Jahrhunderten generationenübergreifend): Es sind dies beispielsweise Aaron, Abraham, Anna, Andreas, Benjamin, David, Elisabeth, Eva, Gabriel, Hanna, Jakob, Johannes, auch Jesus (vorwiegend in spanischsprachigen Gebieten), weiterhin Magdalena, Lukas, Matthias, Michael, Peter, Philip, Rachel, Rebekka, Samuel, Sarah, Ruth, Simon, Susanne, Tabea, Thomas (und andere Namen der Apostel), Tobias und andere.
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